Bekennenden kirche: vollständig erklärt – 5 wesentliche Aspekte

Was ist bekennenden kirche? Ursprung, Bedeutung und Aktualität
Der Begriff bekennenden kirche verweist auf eine evangelische Widerstandsbewegung in Deutschland während der NS-Zeit. Sie entstand als Reaktion auf den Versuch, die Kirche politisch zu vereinnahmen und theologisch zu deformieren. Die bekennenden kirche verstand sich als geistliche und organisatorische Gegenkraft, die die christliche Botschaft gegen Ideologisierung, Rassenlehre und staatliche Kontrolle verteidigte. Ihre Entstehung und ihr Wirken sind bis heute ein prägnantes Beispiel dafür, wie Glauben, Gewissen und Gemeindeleben in Krisenzeiten Orientierung geben können.
Auch wenn die Ereignisse der 1930er und 1940er Jahre weit zurückliegen, stellt sich die Frage nach der Verantwortung der Kirche in der Gesellschaft weiterhin. Die bekennenden kirche liefert hierfür wichtige Impulse: Wie klar darf oder muss eine Kirche Stellung beziehen? Welche Grenzen setzt das Gewissen? Und wie können Gemeinden trotz Drucks ihre Stimme erheben? Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über Hintergründe, Überzeugungen, Protagonisten, Handlungspraxis und die aktuelle Relevanz der bekennenden kirche.
Historischer Hintergrund der bekennenden kirche
Um die bekennenden kirche zu verstehen, lohnt ein Blick auf die kirchenpolitischen Entwicklungen der frühen 1930er Jahre. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten sollte die evangelische Kirche an die Ideologie des Regimes angepasst werden. Eine Gruppierung namens „Deutsche Christen“ bejahte diese Ausrichtung und versuchte, Glaubensinhalte nationalistisch und rassistisch zu umdeuten. Daraus entstand der sogenannte „Kirchenkampf“, in dem sich kirchliche Kräfte um Leitung, Bekenntnis und Freiheit stritten.
Als Gegenreaktion formierte sich der „Pfarrernotbund“ und schließlich die bekennenden kirche. 1934 trat die Bewegung deutlich hervor: Im Mai verabschiedete die erste Bekenntnissynode die Barmer Theologische Erklärung. Im Kern sagte sie „Ja“ zu Jesus Christus als einzigem Herrn und „Nein“ zu jeder ideologischen Vereinnahmung der Kirche. Es ging somit nicht nur um kirchenrechtliche Fragen, sondern um die theologische Mitte des Glaubens und die Freiheit der Verkündigung.
Die Barmer Theologische Erklärung als Fundament
Die Barmer Erklärung, an der unter anderem Karl Barth maßgeblich beteiligt war, ist das zentrale theologische Dokument der bekennenden kirche. Sie lehnt es ab, staatliche oder weltanschauliche Prinzipien als Offenbarungsquelle neben die Bibel zu stellen. Damit war klar: Die Kirche kann nicht als religiöses Sprachrohr politischer Ideologie dienen, sondern muss ihren Auftrag aus dem Evangelium heraus erfüllen, unabhängig von staatlichen Erwartungen.
Organisation, Synoden und Gemeinden
Die bekennenden kirche war keine einheitliche Institution, sondern ein Zusammenschluss von Gemeinden, Pfarrerinnen und Pfarrern, Synoden und theologischen Netzwerken. Sie organisierte alternative Strukturen, hielt eigene Synoden ab und wählte eigene Kirchenleitungen. Damit verteidigte sie die geistliche Selbstständigkeit der Kirche gegen politische Kontrollversuche.
Zentrale Überzeugungen der bekennenden kirche
Die Glaubensgrundlagen der bekennenden kirche wurden in Barmen in prägnanten Thesen zusammengefasst. Dahinter stehen Prinzipien, die auch heute noch Orientierung bieten:
- Christuszentrierung: Maßstab ist die Person Jesu Christi, nicht eine nationale, rassische oder kulturelle Ideologie.
- Autorität der Schrift: Die Bibel ist Quelle und Norm der Verkündigung und Lehre, nicht politische Programme.
- Freiheit der Kirche: Die Kirche erfüllt ihren Auftrag frei von staatlicher Instrumentalisierung.
- Verantwortung und Gewissen: Christlicher Glaube äußert sich in verantwortlichem Handeln, gerade in ethischen Konfliktsituationen.
- Gemeinschaft: Gemeinde ist Ort der Ermutigung, Korrektur und Solidarität – auch unter Druck.
Wichtig ist zu betonen, dass die bekennenden kirche nicht automatisch eine politische Widerstandsbewegung im engeren Sinn war. Ihr Widerstand war zunächst theologisch begründet und kirchlich organisiert. Trotzdem hatte er öffentliche Wirkung, weil die klare Abgrenzung gegenüber Ideologisierung in jener Zeit ein Zeichen setzte.
Schlüsselpersonen der bekennenden kirche
Die Geschichte der bekennenden kirche ist eng mit bekannten Persönlichkeiten verbunden, deren Denken und Handeln bis heute inspirieren:
Karl Barth
Der Schweizer Theologe war einer der Väter der Barmer Erklärung. Er betonte, dass Jesus Christus der Maßstab aller kirchlichen Lehre ist, und wehrte sich gegen jede Vermischung von Evangelium und Ideologie. Wegen seiner Positionen wurde er 1935 aus Deutschland ausgewiesen.
Dietrich Bonhoeffer
Bonhoeffer war Pfarrer, Theologe und Dozent in Predigerseminaren der bekennenden kirche. Er setzte sich für verantwortliches Handeln des Glaubens ein, reflektierte über Nachfolge und Gewissen und war in Widerstandskreise eingebunden. Im April 1945 wurde er hingerichtet. Sein Denken prägt bis heute christliche Ethik.
Martin Niemöller
Niemöller, ebenfalls Pfarrer, wurde zu einer Symbolfigur der bekennenden kirche. Seine Predigten und sein öffentliches Auftreten machten ihn bekannt, sein Engagement führte zur Verhaftung und jahrelangen Haft im KZ. Nach 1945 trat er für Versöhnung und Frieden ein.
Weitere Stimmen
Neben den prominenten Namen prägten unzählige Gemeindeglieder, Pfarrerinnen und Pfarrer die bekennenden kirche: Synodale, Lehrende, Gemeinden in Stadt und Land. Ihre stille Treue, ihre Predigten, Hausandachten und Dienste im Alltag trugen die Bewegung.
Handlungsformen und Widerstand im Alltag
Wie äußerte sich die Arbeit der bekennenden kirche konkret? Neben theologischen Grundsatzentscheidungen gab es praktische Formen der Standhaftigkeit:
- Predigerseminare und Ausbildung: In unabhängigen Seminaren wurden Pfarrerinnen und Pfarrer geschult, um Verkündigung und Seelsorge frei zu halten.
- Synoden und Schreiben: Kirchliche Erklärungen und Briefe setzten theologische Kontrapunkte zur staatlichen Ideologisierung.
- Verkündigung und Seelsorge: In Predigten, Unterricht und Besuchen bezeugten Gemeinden ihren Glauben – häufig unter Beobachtung und Druck.
- Solidarität: Unterstützung verfolgter Kolleginnen und Kollegen, zum Beispiel mit Geld, Unterkünften oder dem Teilen von Kanzeln.
- Grenzen des Anpassungsdrucks: Bewusste Entscheidungen gegen bestimmte Forderungen, auch wenn dies Nachteile oder Gefahr bedeutete.
Der Widerstand hatte seinen Preis. Mitglieder der bekennenden kirche wurden überwacht, versetzt, verhaftet oder verloren ihre Ämter. Dennoch hielt die Bewegung ihren Kurs – getragen von dem Verständnis, dass die Kirche nicht sich selbst gehört, sondern ihrem Herrn.
Erfolge, Grenzen und Kontroversen der bekennenden kirche
Die Bilanz der bekennenden kirche ist ambivalent – und gerade deshalb lehrreich. Zu den Erfolgen zählt, dass sie theologisch klare Maßstäbe setzte, alternative Leitung und Ausbildung organisierte und öffentlich sichtbar machte, dass die Kirche kein Instrument politischer Macht ist. Ihre Predigten, Schriften und die Barmer Erklärung gehören bis heute zum Erbe evangelischer Theologie.
Gleichzeitig gab es Grenzen und blinde Flecken. Nicht alle in der bekennenden kirche bezogen gleichermaßen klar Stellung zu Verfolgung und Antisemitismus. Manches blieb auf innerkirchliche Fragen beschränkt. Diese Spannungen gehören zur ehrlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte. Sie zeigen, wie schwer es ist, in Zeiten der Bedrohung konsequent zu handeln – und wie wichtig es ist, die Stimmen der Opfer in den Mittelpunkt zu stellen.
Nachwirkungen und aktuelle Relevanz der bekennenden kirche
Die bekennenden kirche wirkt bis heute nach. Viele Landeskirchen erinnern in Gedenktagen, Publikationen und Bildungsangeboten an ihr Erbe. Die Barmer Erklärung hat Eingang gefunden in kirchliche Bekenntnis- und Lehrdokumente sowie in die Ausbildung. Darüber hinaus inspiriert das Beispiel der bekennenden kirche Christinnen und Christen weltweit, wenn es darum geht, sich gegen Unrecht zu positionieren und die Unabhängigkeit der Kirche zu bewahren.
Aktuell stellt sich die Frage, wie Kirchen zu gesellschaftlichen Konflikten sprechen, etwa zu Menschenwürde, Rassismus, Antisemitismus, Flucht, Klima oder sozialer Gerechtigkeit. Die Haltung der bekennenden kirche erinnert daran, dass die Kirche ihrer Botschaft verpflichtet ist und im Namen dieser Botschaft auch widersprechen darf, wenn menschenfeindliche Ideologien um sich greifen.
Begriffe, die häufig mit bekennenden kirche verwechselt werden
Der Ausdruck bekennenden kirche kann leicht missverstanden werden, weil er sprachlich der „bekenntnisgebundenen“ oder „freikirchlichen“ Sprache ähnelt. Wichtig ist die historische Präzisierung:
- „Deutsche Christen“: Eine Strömung, die das Regime theologisch stützte – gerade das Gegenüber zur bekennenden kirche.
- „Freikirchen“: Unabhängige Kirchen außerhalb der Landeskirchen; nicht identisch mit der historischen Bewegung bekennenden kirche.
- „Bekenntniskirche“: Allgemeiner Begriff, der eine Kirche mit verbindlichem Bekenntnis meint; historisch nicht deckungsgleich mit der bekennenden kirche.
Genauigkeit schützt vor Missverständnissen und hilft, die besonderen historischen Leistungen der bekennenden kirche zu würdigen.
Lehren für Kirche und Zivilgesellschaft aus der bekennenden kirche
Was lässt sich aus der bekennenden kirche für Gegenwart und Zukunft mitnehmen? Einige praktische Anhaltspunkte:
- Theologische Klarheit pflegen: Eine klare Mitte im Glauben ermöglicht Orientierung in Krisen.
- Unabhängige Strukturen sichern: Ausbildung, Lehre und Leitung sollten Freiheitsräume wahren.
- Gewissen bilden: Ethik gehört in Predigt, Unterricht und Gemeindeleben – damit Menschen urteils- und handlungsfähig werden.
- Solidarität leben: Wenn Einzelne unter Druck geraten, braucht es Schutz, Beistand und öffentliche Fürsprache.
- Selbstkritik üben: Geschichte ohne Verklärung betrachten, Fehler benennen und daraus lernen.
Auch individuelle Haltung wächst durch Inspiration und Disziplin. Wer sich vertieft mit Mut, Ausdauer und verantwortlichem Handeln auseinandersetzt, findet hilfreiche Impulse in Zitaten und Reflexionen. Dazu passen thematisch Anregungen wie Zitate zur Freiheit und Motivation sowie Zitate für Durchhaltevermögen und harte Arbeit, die – übertragen – die Bedeutung von Zielklarheit und Standfestigkeit unterstreichen.
Empfohlene externe Ressourcen
- Überblicksartikel zur Bekennenden Kirche (Wikipedia)
- Hintergrund und Dokumente bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
- Lexikon-Eintrag der Bundeszentrale für politische Bildung
Frequently asked questions about bekennenden kirche
Was bedeutet der Begriff bekennenden kirche genau?
Historisch bezeichnet bekennenden kirche eine evangelische Bewegung in Deutschland, die sich ab 1934 gegen die Vereinnahmung der Kirche durch das NS-Regime stellte. Sie berief sich auf die Bibel und bekannte Jesus Christus als alleinigen Maßstab kirchlicher Lehre, nicht politische Ideologie.
Worin bestand der wichtigste Impuls der bekennenden kirche?
Der zentrale Impuls war die theologische Klarheit: Die Barmer Theologische Erklärung formulierte ein deutliches Nein zur Ideologisierung des Glaubens. Dadurch verteidigte die bekennenden kirche die Freiheit der Verkündigung und die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat.
War die bekennenden kirche eine politische Widerstandsbewegung?
Sie war in erster Linie eine theologisch-kirchliche Gegenbewegung. Manche ihrer Vertreterinnen und Vertreter engagierten sich darüber hinaus politisch, andere blieben auf kirchliche Fragen fokussiert. Insgesamt hatte die bekennenden kirche aber unverkennbar öffentliche Wirkung, weil sie ein eindeutiges Zeichen gegen Vereinnahmung setzte.
Welche Personen sind besonders mit der bekennenden kirche verbunden?
Zu den prägenden Gestalten zählen Karl Barth, Dietrich Bonhoeffer und Martin Niemöller. Darüber hinaus trugen zahlreiche Pfarrerinnen, Pfarrer und Gemeinden die bekennenden kirche im Alltag – oft unter erheblichen persönlichen Risiken.
Welche Bedeutung hat die bekennenden kirche heute?
Sie ist ein historisches Lehrstück über Gewissensfreiheit, Verantwortung und die Unabhängigkeit kirchlicher Verkündigung. Kirchen erinnern an dieses Erbe, und viele Prinzipien der bekennenden kirche – etwa die Christuszentrierung und die Autorität der Schrift – werden weiterhin gelehrt und diskutiert.
Conclusion on bekennenden kirche
Die bekennenden kirche steht für theologische Klarheit und geistliche Standhaftigkeit in einer Zeit massiver politischer Drangsalierung. Sie bekannte sich zu Jesus Christus als Mitte des Glaubens und verteidigte die Freiheit der Kirche, auch wenn dies persönliche Nachteile und Gefahren bedeutete. Ihre Stimme wirkt bis heute in Predigt, Ausbildung und Gemeindeleben nach.
Zugleich zeigt die Geschichte der bekennenden kirche, dass Widerstand selten geradlinig ist. Er ist von Ambivalenzen, Grenzen und schwierigen Entscheidungen geprägt. Gerade deshalb bleibt ihr Erbe wichtig: als Einladung zu Gewissensbildung, zu solidarischem Handeln und zu einer Kirche, die sich am Evangelium orientiert – unabhängig von ideologischem Druck.
Wer die Gegenwart vor dem Hintergrund der bekennenden kirche betrachtet, entdeckt Maßstäbe für verantwortliches Reden und Handeln. Die Bewegung erinnert daran, dass christliche Freiheit immer auch Verantwortung gegenüber dem Nächsten bedeutet. Darin liegt ihre bleibende Relevanz für Kirche und Gesellschaft.

